Lothar Matthäus – einst erfolgreicher Spieler, heute erfolgreicher Trainer:
Ein Antreiber und Dirigent auf dem Platz
Im Alter von 18 Jahren wechselte Lothar Matthäus vom FC Herzogenaurach zum Erstligisten Borussia Mönchengladbach. Als ehrgeiziger, junger Spieler wusste er, dass der Sprung ins Profigeschäft nicht ganz einfach werden würde, und hegte deshalb zunächst keine großen Erwartungen. Doch dank harter Arbeit und größtem Talent entwickelte sich Lothar Matthäus schnell zum Stammspieler der Fohlen-Elf und stand mit den Gladbachern sogar im Endspiel um den UEFA-Cup. In insgesamt 162 Spielen erzielte Matthäus als dynamischer Antreiber im Mittelfeld insgesamt 36 Tore für die Borussen.
Mit dem Titelsammeln begann Lothar Matthäus beim FC Bayern München. 1984 wechselte der gebürtige Erlanger zum ersten Mal in die bayerische Landeshauptstadt. Schnell reifte er im Mittelfeld des FC Bayern zum absoluten Führungsspieler und feierte mit den Münchnern große Erfolge. Allein dreimal wurde Matthäus in der Zeit von 1984 bis 1988 Deutscher Meister, einmal feierte er den Triumph im DFB-Pokalwettbewerb. Während seiner zweiten Periode im Trikot des Deutschen Rekordmeisters organisierte Matthäus als Libero die Münchner Hinterreihen und war dabei sogar noch erfolgreicher: Ein DFB-Pokalsieg, ein UEFA-Cup-Sieg und vier Meisterschaften durfte er zwischen 1992 und 2000 mit seinen Mannschaftskollegen bejubeln.
1988 wagte er den Sprung ins Ausland und streifte das schwarz-blaue Trikot von Inter Mailand über. Am 21. August jenes Jahres gab er ein erfolgreiches Debüt in der Coppa Italia gegen Parma und feierte direkt seinen ersten Sieg. In derselben Saison gewann er mit den Nerazzurri bereits den Scudetto, die Meisterschaft in Italiens Serie A. In der Saison 1990/91 triumphierte er mit Inter Mailand im UEFA-Pokal. Dabei hatte er mit sechs Toren in zwölf Einsätzen einen erheblichen Anteil an diesem internationalen Erfolg der Italiener. Als Matthäus sich am 12. April 1992, wieder einmal gegen Parma, eine Knieverletzung zuzog, befürchtete man schon sein Karriereende. Doch der zweimalige Weltfußballer des Jahres (1990, 1991) kämpfte sich wieder heran und feierte nach seiner Rückkehr nach München seine größten Erfolge auf Vereinsebene.
Nach seiner Zeit in der Bundesliga wagte Lothar Matthäus den Schritt über den großen Teich. In der Major League Soccer (MLS), der höchsten amerikanischen Spielklasse, sollte er den New York Metro Stars zu großem Glanz verhelfen. Als starke Persönlichkeit avancierte Matthäus gleich zu einem Zugpferd der Liga. Und auch die Metro Stars starteten nun wieder durch. Sie erreichten 2000 mit Lothar Matthäus die Playoffs und scheiterten erst in einem Entscheidungsspiel am späteren Meister Chicago. Matthäus bestritt 16 Ligaspiele, alle fünf Playoff-Partien und auch noch zwei Pokalspiele – und das, obwohl er zwischenzeitlich noch für Deutschland bei der EM am Ball war!
Eine Institution in der Nationelf
Als Rekordnationalspieler seines Landes verkörperte Lothar Matthäus einen Ausnahmespieler mit viel Kampfkraft, Lauffreudigkeit und Einsatzbereitschaft. Besonders beeindruckend war seit jeher sein unglaublicher Siegeswille. 1980 bestritt er sein erstes Spiel im DFB-Dress bei der EM in Italien mit gerade einmal zwanzig Jahren, viele weitere folgten. 150 Einsätze und 23 Länderspieltore, davon 25 WM- und 11 EM-Partien, standen für den Erlanger am Ende seiner Karriere zu Buche – ein einmaliger Rekord in Deutschland.
Lothar Matthäus hat es geschafft, an fünf Weltmeisterschaften teilzunehmen und gab zwei Jahrzehnte lang stets alles für das Team mit dem Adler auf der Brust. 1980 wurde er Europameister, und als Kapitän holte er 1990 den dritten WM-Titel für Deutschland. Er stieg zum absoluten Weltstar auf und wurde später folgerichtig zum Ehrenspielführer der Nationalelf ernannt – eine Auszeichnung, die zuvor erst drei anderen Spielern (Fritz Walter, Uwe Seeler, Franz Beckenbauer) zuteil geworden war.
Als Trainer die Erfahrungen weitergeben
Als als Trainer schreckt Lothar Matthäus nicht vor neuen Herausforderungen zurück. Bereits zu Beginn seiner Karriere übernahm er drei Teams, die an glorreiche Zeiten anknüpfen wollten: Rapid Wien, Partizan Belgrad und die Nationalelf Ungarns. Erfolgreich überstand Matthäus die Champions-League-Qualifikation mit Partizan Belgrad und mit der ungarischen Elf gelang ihm am 6. Juni 2004 gegen den Vizeweltmeister Deutschland ein sensationeller 2:0-Sieg.
Als erster europäischer Trainer unterschrieb Matthäus im Januar 2006 bei einem Top-Klub in Brasilien – Atlético Paranaense aus der Stadt Curitiba. Er führte das Team auf den ersten Platz der Vorrundengruppe der angesehenen Regionalmeisterschaft, löste den Vertrag aber auf, bevor die eigentliche Erstligasaison anbrach. Matthäus sah die gemeinsame Basis gefährdet, die die Vorraussetzung für jeden fußballerischen Erfolg ist. Ein verständlicher Schritt für einen Sportsmann wie Matthäus, der stets nach Triumphen strebt.
Zusammen mit seinem Mentor Giovanni Trapattoni, dem erfolgreichsten Trainer der Fußballgeschichte, übernahm er zwei Monate später den österreichischen Vizemeister SV Red Bull Salzburg. Gemeinsam feierten sie den Meistertitel schon in der ersten Saison (2006/07), nachdem der Klub zuvor zehn Jahre erfolglos war.
Anschließend ging es für Lothar Matthäus nach Israel, wo er bereits am Flughafen von den Fans frenetisch empfangen wurde. Beim Erstligaklub Maccabi Netanya feierte er große Erfolge und wurde zwischenzeitlich sogar als Nationaltrainer Israels gehandelt. Leider musste der Verein den Vertrag aus wirtschaftlichen Gründen auflösen.
Nach einer einjährigen Pause übernahm Lothar Matthäus die bulgarische Nationalmannschaft, die sich in einer EM-Qualifikationsgruppe mit England und der Schweiz derzeit beachtlich schlägt.


